Ist Heinz Grill ein Scharlatan?


vortrag heinz grill
Heinz Grill beim Vortrag am Andreashof

In der ZDF-Mediathek habe ich eine interessante Aussage des Journalisten Markus Thöss über den Autor unseres Verlages, Heinz Grill, gefunden. Thöss schreibt unter der Überschrift „In den Fängen von Scharlatanen“: „Alle Kulte, egal ob Scientology, Heinz Grill Yoga Gruppe, die Zeugen Jehovas oder wie sie alle heißen: Sie fürchten nichts mehr als Öffentlichkeit.“ (1)

Diese Aussage ist interessant:

ZDF Mediathek

Die Zeugen Jehovas sind eine kirchlich organisierte Religionsgemeinschaft mit weltweit derzeit 8 683 117 Mitgliedern.(1) Die Church of Scientology ist ebenfalls eine kirchlich organisiert Glaubensgemeinschaft. Die Angaben über Mitgliederzahlen variieren von 100.000 bis zu 10. Mio.(2) Heinz Grill ist Schriftsteller und Kletterer. Eine über ein Wochenende hinaus bestehende Heinz Grill Yoga-Gruppe existiert bei ihm nicht.(3) Die Zahl der Mitglieder beträgt 1. Von daher eine interessante Zusammenstellung: Church of Scientology, Zeugen Jehovas, Heinz Grill.

Sie fürchten nichts mehr als Öffentlichkeit“

Ich veröffentliche Bücher von Heinz Grill und organisiere öffentliche Tagungen, bei denen Heinz Grill als Referent im Dialog mit anderen Personen tätig ist. Das Ziel ist naturgemäß, eine breite Öffentlichkeit zu finden. Vor diesem Hintergrund hat diese Aussage geradezu etwas Humoreskes.

Wie kommt es aber zu solchen Aussagen?

Durch Mitglieder der Bornscheinfamilie und deren Helfer wird der Journalist Markus Thöss auf die Person von Heinz Grill aufmerksam. Vermutlich kann er mit der Ästhetik seiner Asanakunst und mit seiner Art poetisch-spirituellen Philosophie nicht viel anfangen. Er sucht Personen, die bereit sind, etwas Quotenträchtiges gegen Heinz Grill vor der Kamera auszusagen. Er findet sie nicht. Eine Helferin der Familie Bornschein hat die „glorreiche“ Idee, eine krebskranke Person zu suchen, die bereit ist, sich die Kniekehlen aufzuschlitzen, um damit vorzutäuschen, von Heinz Grill zu einer solch haarsträubenden „Therapie“ überredet worden zu sein. Damit können man ihn öffentlichwirksam belangen. Markus Thöss bietet einem Informanten seine ganze Unterstützung an, wenn er ihm geeignete Personen herbeischafft. Er habe bereits mit einem Film über Scientology eine „Mega-Quote“ erreicht. Diese möchte er natürlich gerne wiederholen. Doch auch diese Suche misslingt. Es findet sich einfach niemand, der sich für solche Falschaussagen hergibt. Schon bald wendet sich Markus Thöss wieder ab und findet das „Opfer“ bei der Neuen Germanischen Medizin nach Ryke Geert Hamer. Er findet die Tochter eines Krebspatienten, der sich nicht operieren lässt und schließlich verstirbt. Die Quote ist gerettet!

Heinz Grill lässt ihn aber offensichtlich doch nicht ihn Ruhe. Markus Thöss muss ihn, wenn schon nicht im Film, so doch wenigstens im Beitext verbal angreifen und damit unbedingt in die Massenmedien bringen. Auf geradezu paradoxe Weise schafft er es, wie zuvor schon die Süddeutsche Zeitung, Heinz Grill einem Millionenpublikum bekannt zu machen. Man sieht: sogar der unerbittlichste Gegner kann erstaunlich Positives bewirken.

Wie kommt es aber zu dem Wörtchen „Kult“?

Jeder, der Heinz Grill nur flüchtig kennt, weiß, dass es Kulthandlungen bei ihm nicht gibt. Kult im positiven Sinn meint ja, dass Menschen sich einer Gottheit oder einer geistigen Wirklichkeit hinwenden, um die Erde zu verwandeln, sie zu vergeistigen, sie beispielsweise mit geistigen Ideen zu bearbeiten. Die Erde soll durch den Kultus kultiviert werden. Das Ergebnis eines solchen Bemühens wäre im weitesten Sinne sogar Kultur. Es gibt bei einem Kult aber immer ein Kultobjekt und es gibt eine Gemeinschaft, die sich im Kult trifft. Meist gibt es auch Priester, die den Kult vollziehen. All das fehlt bei Heinz Grill. Seine Bemühungen sind im besonderen Maße individueller Art, jegliche rituelle Kulthandlungen fehlen vollständig. Seine Philosophie könnte man statt dessen sehr zutreffend als die Kunst der individuellen Spiritualität bezeichnen.

Aber so ist der Begriff Kult hier auch gar nicht gemeint. Er ist abwertend gemeint. Er soll den Eindruck erwecken, dass Menschen das Licht der Öffentlichkeit meiden, um im Verborgen geheime, obskure Handlungen zu begehen, vergleichbar etwa mit sogenannten schwarzen Messen. Markus Thöss übernimmt hier die Sprache der kirchlichen Sektenbeauftragten, die nahezu alle nicht-kirchlichen Bemühungen als „Kulte“ bezeichnen und abwerten. Es handelt sich aber in den meisten Fällen um Projektion. Die eigenen rituellen Handlungen der Kirchen sind schon so weit aus der Zeit gefallen und haben sich von jeglicher kulturschaffenden Sinnhaftigkeit entfernt, dass andere Bemühungen schon deshalb abgewertet werden müssen, um die eigenen Unzulänglichkeiten nicht näher anschauen zu müssen.

Bleibt noch die Frage: Ist Heinz Grill ein Scharlatan?

Als Scharlatan wird eine Person bezeichnet, die Fähigkeiten vortäuscht, die sie nicht besitzt. Wenn sich jemand beispielsweise als Arzt oder Heiler ausgibt, ohne jegliche Befähigung zu besitzen, spricht man umgangssprachlich von Scharlatan. Natürlich ist der Begriff sehr abwertend und wird nicht selten in Verbindung mit kriminellen Motiven gebracht.

Gehen wir deshalb von der tatsächlichen Profession Heinz Grills aus: Schriftsteller, Yogalehrer, Kletterer. Liebe Journalisten der Süddeutschen Zeitung zum Mitschreiben! Er ist nicht Bergführer, nicht Fremdenführer, nicht Lebensberater, nicht Guru und auch nicht Experte für Lichtnahrung, sondern Schriftsteller, Yogalehrer, Kletterer!

Ein Scharlatan auf dem Gebiet der Schriftstellerei ist jemand, der seine Texte nicht selbst anfertigt, sondern sich sogenannter Plagiate bedient. (s. Pierer’s Universal-Lexikon. Band 3. Altenburg 1857, S. 870 (online auf zeno.org). ) Wie viele berühmte Persönlichkeiten und sogar Staatsminister mussten zurücktreten, weil sie des Plagiats überführt wurden.

Wie steht es nun mit der Literatur von Heinz Grill? Seine Sätze und Satzkompositionen sind so einzigartig, mit immer wieder überraschenden Wort-Neuschöpfungen, mit so einzigartiger Melodie, frei schwingendem Rhythmus und unverwechselbarem Satzbau, dass schon jegliches Plagiat als Fremdkörper sofort auffallen würde. Niemals verwendet er die gleichen Formulierungen, sondern schafft seine Texte immer wider neu aus dem lebendigen Zusammenhang des jeweiligen Gedankens. Zahlreiche seiner Bücher sind im Rahmen von öffentlichen Vorträgen ganz spontan aus der lebendigen Beziehung zu seinen Zuhörern entstanden. Es handelt sich um eine außergewöhnliche Sprach- und Formulierungskunst.

Die Inhalte sind logisch, mit tiefsten Aussagen über das Geist- und Seelenleben, sie sind zugleich empfindsam und künstlerisch. Es findet sich darin kein trockene Wissensvermittlung, sondern eine lebendige bildhafte und zugleich glasklare Gedankenführung. Die Texte wirken ordnend auf das Bewusstsein des Lesers.

SZ vom 13./14.April 2019

Natürlich müssen die Herren Journalisten auch diese Sprachkunst kritisieren und so hat die Süddeutsche Zeitung sogar in den etwa 100 Publikationen von Heinz Grill aus 30 Jahren seines Schaffens einen Satz gefunden, in dem das Wort wie anstelle des Wortes als erscheint. Sie diagnostiziert eine „Als/Wie-Schwäche.“

Man könnte vergleichsweise auch Goethe dessen Rechtschreibung vorwerfen. Diesen kleinlichen Kritikern hat Goethe seinerseits heiter entgegenhalten: “Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch eigentlich nicht an; sondern darauf, daß die Leser verstehen, was man damit sagen wollte! Und das haben die lieben Deutschen bei mir doch manchmal getan.“ Und an anderer Stelle: „Ich halte mir diese Art Postulate nach Möglichkeit einfach vom Halse und mache, genau besehen, immer noch genug Schnitzer. Was aber die Kommas betrifft, so beruhige ich mein Gewissen immer mit einem Satz des alten Wieland, der besagt, Religion und Interpunktion seien Privatsache.“

Heinz Grill als Schriftsteller ein Scharlatan? Das kann man einfach nicht behaupten!

Wie steht es mit der Asanakunst?

Der Diamant – vajrasana

Heinz Grill demonstriert alle Yoga-Stellungen (Asana) selbst, sowohl die einfachen wie auch die weit fortgeschrittenen. Wo gibt es in der westlichen Hemisphäre eine Yoga-Persönlichkeit mit einem vergleichbar weitem Spektrum an Yoga-Asana? Er kann die Asana nicht nur praktizieren, sie besitzen auch einen ansprechenden Gehalt. Sie wirken natürlich, leicht, geradezu körperfrei und doch zentriert und klar geformt. Selbst der Yoga-Laie entdeckt in ihnen eine einzigartige Schönheit, Eleganz und Tiefe im Ausdruck.

Hat er sie aber vielleicht – wie manche Kritiker behaupten – per Photoshop solange digital bearbeitet, bis die gewünschte Form hervorkommt? Das möge der Leser anhand der Bilder und Videos selbst beurteilen. Da ich ich die meisten Yoga-Stellungen selbst live erlebt habe, halte ich diese Aussage für so grotesk, dass sie sich selbst ad absurdum führt.

Bleibt noch das Klettern

Heinz Grill und Ivo Rabanser

Ist er ein Kletter-Scharlatan? Sind vielleicht die Tourenbücher gefälscht? Hat es die zahlreichen Alleingänge ohne Seil mit geringstem Materialaufwand bis zum 7. Grad im brüchigen Gestein des Karwendel, in den Pumprissen des Wilden Kaiser oder in der Südwand der Marmolada gar nicht gegeben? Wurde ihm vielleicht vom Deutschen Alpenverein der goldene Karabiner für besondere alpine Leistung ganz zu unrecht verliehen? Sind seine Verdienste um die Entwicklung des Klettersportes nur vorgetäuscht und hat er seine Bücher über das Klettern und die besondere Beziehung, die der Kletterer zum Fels knüpfen kann, nur aus der Theorie geschrieben? Das sind Fragen, die jeder Kletterer und sogar die Kritiker unter den Kletterkollegen brüsk verneinen würden.

Hat der Club Academico in Trentio, der nur die berühmtesten und namhaftesten Kletter der Welt aufnimmt, womöglich seine Touren nicht ausreichend überprüft und deshalb einen Scharlatan in seine Reihen aufgenommen? Mit der Eröffnung von100 neuen Klettertoren zusammen mit Kletterkollegen im Sarcatal ist eine ganz neue Kletterkultur in dieses Tal eingezogen. Diese sucht ihresgleichen. Diese Touren streben nicht mehr nach dem Extrem in der sportlichen Leistung und persönlichen Selbstbestätigung, sondern nach einer ausgewogene Mitte zwischen dem traditionell alpinen Stil und dem modernen Sportklettern. Mehrere seiner alpinen Touren in den Dolomiten wurden als die schönsten Klettertouren des Jahres mit Preisen ausgezeichnet. Tausende von Wiederholungen und Eintragungen in den Gipfelbüchern belegen die Schönheit und Attraktion dieser Kletterrouten.

Ich selbst hatte als absoluter Kletterlaie einmal die Freude, eine dieser alpinen Klettertoren in den Dolomiten zusammen mit Heinz Grill zu durchklettern. Die Eindrücke über die Eleganz und Logik der Routenführung, über die überraschenden Erlebensformen und den Empfindungsreichtum dieser Tour war so groß, dass mich diese mit all ihren Tritten, Griffen, Kaminen und Aufschwüngen noch über Wochen begleitete und erhob.

Es muss schon ein besonders dicker Balken im Auge des Betrachters stecken, den Kletterer Heinz Grill als Scharlatan bezeichnen zu wollen.

Lieber Markus Thöss!

Wenn Sie etwas bekämpfen möchten, dann sollten Sie es mit sachlichen Argumenten tun. Hilfreich ist es, wenn Sie dabei selbst etwas Wahreres und Schöneres zu Tage fördern. Wenn Sie aber die Dinge derart einseitig, oberflächlich und offensichtlich falsch behandeln, nur um Meinungsmache zu betreiben, dann heben Sie vielleicht Ihre Quote, aber Sie fördern auch allzu leicht gerade das, was Sie eigentlich bekämpfen möchten.

In diesem Sinne, mit freundlichen Grüßen

Stephan Wunderlich


Anmerkung

(1) Das ZDF hat diese Textpassage mittlerweile wieder entfernt. Jetzt heißt es im Beitext nicht mehr „Heinz Grill Yogagruppe“ sondern „Misa Yoga aus Rumänien oder wie sie alle heißen: Sie fürchten nichts mehr als die Öffentlichkeit.“


2 Kommentare zu “Ist Heinz Grill ein Scharlatan?”

  1. Danke, Stefan für Deine treffende Antwort auf die Aussage von Herrn Thöss.
    Besonders erheiternd finde ich seine Formulierung: „Sie fürchten nichts mehr als die Öffentlichkeit.“ Ich kenne kaum einen offeneren Menschen als Heinz Grill, jeder kann seine Bücher lesen, seine Veranstaltungen oder Vorträge besuchen und sich völlig unabhängig ein Bild von ihm, von seiner Arbeit oder seinen Büchern machen. Jeder kann sich, wenn er mag, damit näher beschäftigen oder auch nicht.
    Wo, denkt sich Herr Thöss, dass die Vorträge und Seminare stattfinden? In geheimen Katakomben und an geheimen Orten? Oder werden seine Bücher geheim unter der Hand weitergegeben? Soviel ich weiß, werden die Vorträge und der Veranstaltungsort offiziell bekannt gegeben, nie habe ich jemals eine “ rituelle Handlung“ dabei erlebt. Die Bücher kann man ganz legal und offiziell über den Buchhandel erwerben. Wenn man das Wort Furcht in diesem Zusammenhang schon unbedingt verwenden mag, dann ist diese wohl eher in der umtriebigen Gegnerschaft zu vermuten.
    Solche Journalisten, „Aufklärer“ oder Sektenbeauftragte von Kirchen, die immer wieder verzweifelte Angriffe und Diffamierungen starten, fürchten wohl selber nichts mehr, als dass die Unhaltbarkeit ihrer Anschuldigungen und die Absicht, die dem zugrunde liegt, zunehmend durchschaubar wird. Ja, dass diese zwanghafte Bemühung, Heinz Grill als Guru darzustellen, immer lächerlicher und unglaubwürdiger wird. Aus diesem Grund muss eine derartige „Berichterstattung“ immer reißerischer ,“ exklusiver“ werden und damit entfernt sie sich immer weiter von der gegebenen Realität. Tatsächlich, diese angebliche „Furcht von Heinz Grill vor der Öffentlichkeit“ hat wirklich etwas Belustigendes an sich, auch wenn es vom Verfasser nicht beabsichtigt war.

  2. Dein Artikel ist eine sehr treffende und umfassende Verdeutlichung des Geschehens. Ich denke, es wird ein Bewusstsein auch geschaffen von dem Unterschied, wenn ein Mensch eine Schaffenskraft in das Leben hineinstellt, ein Werk mit einem ganz konkreten Anliegen der Menschheit offenbart. Wie bei Heinz Grill, oder auch bei Daniele Ganser oder Julian Assange. Damit sind diese Menschen wirkliche Persönlichkeiten, da sie mit Schöpferkraft, mit Mühe und Forschung für Wahrheit, für Würde und für Schönheit eintreten. Diese Schöpferkraft bewirkt bei diesen Menschen eine lichte Ausstrahlung, die auf irgendeine Weise sehr fein und auch kraftvoll beobachtet werden kann.
    Als Unterscheidung sind Menschen am Werk, hier mit diesen ganzen Diffamierungen in SZ oder bei Herrn Thöss mit den Filmen, die aus einem nach meinem Eindruck schwachen Selbstwert eigentlich vor keinem eigenen geschaffenem Werk stehen können, sondern lediglich andere Personen mechanisch in Schablonen drücken.
    Für mich ist dabei eines aber, was fehlt, und das ist der Entwicklungsgedanke. Ich denke, dass Personen, die andere diffamieren und stigmatisieren müssen, halt sich vor Entwicklung drücken.
    Diejenigen, die freudig und aktiv die Schöpferkräfte aufbauen und anwenden, schreiten in lichten und leichten Schritten der notwendigen Entwicklung im Leben entgegen. Und daraus erwächst die Schönheit, das feine Licht einer wirklichen Persönlichkeit.

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