Rückblick zur ökologischen Tagung


Verena Medinger, Heinz Grill und Hubertus Mynarek bei der Eröffnung des Themas

„Erde und Mensch, wie wir die Naturgeistigkeit wahrnehmen und fördern können“, zu diesem Them a trafen sich am vergangenen Wochenende eine größere Anzahl Ökologen, Naturschützer, Gärtner, Förster, Landwirte, Künstler und allgemein Naturinteressierte. Mit Verena Medinger war eine Referentin eingeladen, die langjährige berufliche Erfahrung im Umweltschutz mitbringt und eine ausgewiesene Expertin für Heuschrecken, Schmetterlinge und Libellen ist. Hubertus Mynarek ist Theologe und Philosoph, der auch als Schriftsteller das Thema der Ökologie intensiv bearbeitet hat. Heinz Grill schließlich war der Referent, der aufgrund seiner Kenntnis der spirituell-geistigen Zusammenhänge die Prozesse der Wahrnehmung metaphysischer Vorgänge in der Natur nahebringen kann.

Das Seminar zeigte sich schon zu Beginn relativ spannungsgeladen, da das Thema der Ökologie zum einen zeitaktuell und zum anderen mit der Erforschung der Naturgeistigkeit zugleich spirituell anspruchsvoll war. Die Referenten kannten sich aus früheren Begegnungen, eine Abstimmung war aber leider nicht ausreichend möglich, da Herr Mynarek sich für die Vorbesprechung entschuldigen ließ.

Der Autor dieses Artikels führte am ersten Abend die Referenten und das Thema ein und übergab dann das Wort an Heinz Grill, der die Moderation des Seminars übernahm.

Heinz Grill begann seine Einführung damit, dass nach seiner Forschung die zentralistische Steuerung des Menschen durch den Staat, durch Kirchen, Institutionen etc. nicht mehr gelingen könne. Geistigkeit und Fortschritt entstehe heute nur noch durch das individuelle Zugehen auf sinnvolle Ziele und Inhalte. Die geistige Welt mit ihren Engelwesen wende sich von zentralistischen Ansätzen und Gruppenbildungen ab. Die vielen zentralistischen Ansätze, die sich beispielsweise in der Coronapolitik zeigen, aber auch auf dem religiösen oder ökologischen Gebieten vorgenommen werden, seien zum Scheitern verurteilt, da es ihnen an geistigem Zustrom fehle. Der einzelne Mensch trage aber ein schöpferisches Potenzial in sich, mit dem er sinnvolle Ideen aufgreifen, ausarbeiten und in die Umsetzung führen könne. Damit könne er sowohl einen Beitrag in der Welt leisten, als auch wieder in einen Zusammenhang mit der geistigen Welt treten. Der Mensch selbst sei durch seine Person der wesentliche Umweltschützer. Jeder Einzelne könne mit seiner Selbstbestimmtheit und errungenen Weisheit auf die Mitmenschen, auf die Natur und auf die Kultur ausstrahlen. So könne der Einzelne die Natur mit seiner Ausstrahlung fördern und aufbauen.

Daraufhin ergriff Hubertus Mynarek das Wort und stellte die Problematik des Materialismus dar, der dem Menschen den Geist und die geistbegabte Seele abspreche. Die Evolution selbst zeige zwar, dass schon die aufrechte Haltung des Menschen nicht durch Zufall, Mutation und Selektion – die drei großen Parameter der materialistischen Evolutionstheorie – entstanden sein kann, sondern eine schöpferisch-geistige Tätigkeit voraussetzt. Dennoch zögen sich Wissenschaftler und mehr noch Politiker vollständig auf den materiellen Standpunkt zurück und lassen die geistige Seite unbeachtet. „Nur die Materie zählt“, so das Dogma des Materialismus. Das Ergebnis sei eine Corona-Politik, die von Angst und Sicherheitsdenken geleitet sei und den Menschen zum absoluten Gehorsam erziehe. Ziel sei nicht mehr ein schöpferischer Geist, der die Psyche gestalte, ordne und sich schließlich im Körper ausdrücke, sondern beispielsweise eine Art „Herdenimmunität“, die, wie schon der Begriff nahelegt, den Menschen auf die Stufe eines zwar freundlichen und folgsamen, aber doch eben eines Tieres degradiere. Alle menschlichen Errungenschaften, Erfindungen, Kunstwerke etc. seien aber Ergebnisse geistiger Inspiration. Mynarek zitierte Goethe: „Mein Empfangen war mein höchstes Schaffen“, um die Bedeutung des Geistes herauszustellen.

Verena Medinger griff diese Punkte auf und bestätigte, dass auch im Umweltschutz die Tendenz bestehe, zentralistische Steuerungen vorzunehmen. Ihrer Erfahrung nach hänge aber der Erfolg eines Umweltschutzes nicht nur von den angewendeten Methoden und Umweltprogrammen ab, sondern viel mehr von dem Menschen, der die Natur pflegt, beispielsweise vom Umweltschützer, Gärtner oder Förster. Es komme darauf an, mit welchen Gedanken, Gefühlen und mit welcher Haltung er in die Natur gehe, wie er auf die Natur blicke, ob er nur einem vorgegebenen Schema folge oder mit einer wahrnehmenden, fragenden Haltung in Beziehung zur Natur gehe. Die Natur reagiere stark auf diese Haltung des Menschen.

Die Referentin führte aus, dass Umweltschutz sich vielfach darin verstehe, den Menschen von der Natur fernzuhalten. Der Mensch gelte als der Zerstörer. Erst wenn die Natur ganz sich selbst überlassen werde, könne sie wieder regenerieren, so jedenfalls laute eines der Dogmen der Ökologie. Eine Försterin berichtete daraufhin von einem signifikanten Abbauprozess der Baum- und Bodenqualität, nachdem ein Wald vollständig sich selbst überlassen wurde, während ihrer Beobachtung nach gut gepflegte Wälder gesündere Qualitäten hervorbrächten. Es bestehe zwar immer das Risiko, dass der Mensch der Umwelt schade, er könne aber im gleichen Maße auch aufbauend auf diese wirken.

steiner elementarwesen
Das Bild „Elementarwesen“ von Rudolf Steiner zeigt die in der Natur waltende Naturgeistigkeit, wie sie sich dem hellsichtigen Auge offenbart. Rudolf Steiner betont, dass sich dem hellsichtigen Auge nicht sichtbare Bilder kundtun, sondern Empfindungen, die denen der dargestellten Formen und Farben entsprechen.

Der zweite Tag war dann dieser Beziehungsaufnahme zur Natur gewidmet. Der Wahrnehmungsprozess und der Übungsaufbau zur Erkenntnis der Elementarwesen in der Natur sollten im Detail erforscht und einstudiert werden. Betrachtungsübungen auf dem großen Areal des Seminarhauses ergänzten die Forschungen.

Ein wesentlicher Gedanke dabei war, dass einem Aufbauprozess nicht ein Abbauprozess gegenüberstehen sollte. Ein Aufbau in der Natur sollte immer auch ein Aufbau für den Betrachter sein. Gleiches dürfte auch in den menschlichen Beziehungen gelten. Wenn ein Musiker ein gelungenes Konzert schafft, dann müssen beide erbaut sein, Musiker wie auch Zuhörer. Im therapeutischen Bereich sollte ebenfalls ein gesundheitlicher Aufbau des Patienten mit einer Stärkung des Therapeuten einhergehen. Gleiches gelte in der Ökologie. Sowohl der Betrachter als auch die Natur selbst können eine Stärkung der Lebenskraft erfahren, wenn die Hinwendung an die Natur mit geeigneten Inhalten geschehe.

Heinz Grill beschrieb als Grundvoraussetzung eines gelungenen Übens, dass Subjekt und Objekt in der Übung klar unterschieden und erlebt werden. Nur so kann auch erkannt werden, ob die Wahrnehmungen, sowie die daran sich knüpfenden Empfindungen tatsächlich aus dem Objekt selbst kommen oder doch noch von den eigenen Assoziationen und Emotionen bestimmt werden. Das Objekt könne sich erst aussprechen, wenn die subjektiven Zugriffe und Assoziationen zurückweichen. Schließlich sollten auch geeignete Inhalte bzw. Kriterien das Üben begleiten.

Die Arbeit an diesem Seminartag war vom sogenannten sozialen Prozess getragen. Alle Teilnehmer konnten ihre Fragen und Anliegen einbringen, diese wurden in gegenseitiger Abstimmung zu einem Themeninhalt geformt, dem schließlich alle Beteiligten zustimmen konnte. Dieser Themeninhalt wurde dann im Laufe des Tages von verschiedener Seite immer weiter ausgearbeitet.

Am Nachmittag wurde schließlich ein Vortrag von Hubertus Mynarek über „die Beziehung des Menschen zur Natur und zur übersinnlichen Welt aus philosophischer und theologischer Sicht“ angekündigt. Auch hier fand im Vorfeld eine Themenabstimmung statt, an die sich der Referent dann leider nicht hielt. Hubertus Mynarek stellte nahezu die Hälfte seines Vortrags seine eigenen traumatischen Erfahrungen im Kampf gegen die Kirche und gegen persönlicher Ausgrenzung in die Mitte und verfehlte schließlich in seinen weiteren Ausführungen sowohl das angekündigte Vortragsthema wie auch das Thema des Seminars. Sowohl die wuchtig und geradezu dogmatisch geäußerten Thesen, wie, man könne keine geistige Auseinandersetzung leisten, solange man noch Fleisch esse, 90 % der Menschen seien zu dumm, um die Realität der Zeit zu erkennen, aber auch Thesen, die dem deutschen Staat die Existenzgrundlage absprechen und eher der Reichsbürgerbewegung nahestehen, mussten als verfehlt und themenfremd angesehen werden.

Der Tag fand dennoch einen gelungenen Abschluss, da Heinz Grill im Rahmen der nun folgenden Meditation im Zusammenwirken mit den Teilnehmern darlegte, wie ein Begriff aus den Evangelien, nämlich das „Hören“, auf verschiedenen Ebenen erfasst und schließlich bis zu seinem Urgrund, zu einer sogenannten Universalie erforscht werden kann. An dieser Meditation nahm noch ein weiterer, gleichzeitig stattfindender Schulungskurs teil.

Der dritte Tag war schließlich noch einmal der Erforschung der Naturgeistigkeit anhand von Übungen und Betrachtungen gewidmet. Verena Medinger stellte, ausgehend von Rudolf Steiner, geeignete Kriterien zur Erforschung der Naturgeistigkeit heraus. Heinz Grill erarbeitete dann mit den Teilnehmern die metaphysischen Zusammenhänge, wie der Mensch bindend und lösend auf die Naturgeistigkeit wirken kann. Eine zentrale Aussage dabei war: Die Naturgeistigkeit möchte wahrgenommen und erforscht werden. Je nachdem, wie die Bezugsaufnahme stattfindet, wirkt der Mensch bindend oder befreiend auf seine Umgebung. Wer sich forschend einem Phänomen in der Welt hinwendet, kann den Materialismus überwinden und mit geeigneten Inhalten aufbauend auf die Umwelt, wie auch auf die geistige Welt wirken.

Hubertus Mynarek hatte sich für diesen Vormittag entschuldigen lassen, war dann aber doch ganz unerwartet erschienen und beanspruchte plötzlich sehr vehement Redezeit für einen weiteren Vortrag, der weder vereinbart war, noch im geeigneten Themenbezug stand. Da ihm der Vortrag nicht zugestanden wurde und wohl auch aufgrund früherer traumatischer Erfahrungen, reagierte er sehr aufgebracht und beleidigend, spaltete mit unsachlichen Anschuldigungen die Atmosphäre und versuchte die Teilnehmer auf seine Seite zu bringen. Als dies nicht gelang, verließ er mit heftigen Vorwürfen vorzeitig das Seminar.

Den Abschluss des Seminars bildete eine von Verena Medinger angeleitete Übung, die sich an das Zusammenspiel bzw. an die Berührung der Insektenwelt mit der Pflanzenwelt richtete. Anhand dieser Betrachtungen konnten die noch offenen Fragen zur Erforschung der Naturgeistigkeit besprochen und das Seminar schließlich zu einem doch noch inhaltlich abgerundeten Abschluss geführt werden. Die Teilnehmer bekundeten großes Interesse, die mit diesem Seminar begonnene ökologische Auseinandersetzung weiter fortführen zu wollen. Ein kleiner Imbiss lud noch zu angeregten Gesprächen ein.

 

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